Was sind E-Nummern und sollte man sie vermeiden?
E-Nummern haben einen schlechten Ruf bekommen. Man sieht sie auf Etiketten, hört Warnungen darüber und online werden regelmäßig Listen mit den sogenannten gefährlichsten E-Nummern geteilt. Aber stimmt dieses Bild überhaupt? Sind E-Nummern automatisch künstlich oder ungesund? Und was bedeutet so ein Code eigentlich?
Die kurze Antwort: E-Nummern sind zugelassene Hilfsstoffe, die Lebensmitteln beispielsweise für Geschmack, Farbe, Konsistenz oder Haltbarkeit zugesetzt werden dürfen. Sie können synthetisch sein, aber auch natürlichen Ursprungs. Ein Stoff erhält erst dann eine E-Nummer, wenn er in Europa von Behörden wie der EFSA bewertet und für die Verwendung in Lebensmitteln zugelassen wurde.
Das bedeutet nicht, dass Sie verarbeitete Produkte nie kritisch betrachten müssen. Es bedeutet aber, dass eine E-Nummer für sich genommen kein Synonym für schlecht, giftig oder ungesund ist.
Was sind E-Nummern?
E-Nummern sind Zusatzstoffe, also Stoffe, die Lebensmitteln zugesetzt werden, um eine bestimmte technologische Funktion zu erfüllen. Das E steht für Europa. Eine E-Nummer bedeutet, dass die Sicherheit des Stoffes bewertet wurde und er in der Europäischen Union zugelassen ist.
E-Nummern können verschiedene Funktionen haben, zum Beispiel:
- Konservieren
- Färben
- Süßen
- Geschmack verstärken
- Verdicken
- Emulgieren
- Säuregehalt regulieren
- Oxidation verhindern
- Glanz verleihen
- Verklumpen verhindern
Ein wichtiger Punkt: E-Nummern stehen nicht automatisch für künstliche Stoffe. Einige Stoffe mit einer E-Nummer kommen auch natürlicherweise in Lebensmitteln vor. Vitamin C ist zum Beispiel als Ascorbinsäure bekannt und trägt die E-Nummer E300. Zitronensäure ist E330 und kommt natürlicherweise in Zitrusfrüchten vor. Milchsäure ist E270 und kann bei der Fermentation entstehen.
Eine E-Nummer ist also vor allem ein Verwaltungscode für einen Stoff mit einer technologischen Funktion in Lebensmitteln.
Warum werden E-Nummern verwendet?
E-Nummern werden zugesetzt, weil sie eine Rolle für die Sicherheit, Haltbarkeit und Stabilität von Lebensmitteln spielen. Ohne Konservierungsstoffe könnten manche Produkte schneller verderben. Ohne Emulgatoren könnten sich bestimmte Soßen oder Aufstriche schneller entmischen. Ohne Antioxidantien könnten Fette schneller ranzig werden.
Beispiele:
- Konservierungsstoffe verlängern die Haltbarkeit, indem sie das Wachstum von Mikroorganismen hemmen
- Antioxidantien verhindern Verfärbungen oder die Oxidation von Fett
- Emulgatoren sorgen dafür, dass sich Wasser und Öl gut vermischen
- Verdickungsmittel geben Soßen, Desserts oder pflanzlichen Alternativen Struktur
- Süßungsmittel sorgen für einen süßen Geschmack mit wenig oder ganz ohne Zucker
- Farbstoffe sorgen für das gewünschte Aussehen des Produkts
Das bedeutet nicht, dass jedes verarbeitete Produkt gleich eine gesunde Wahl ist. Ein Produkt kann unbedenkliche E-Nummern enthalten und trotzdem viel Zucker, Salz oder gesättigte Fettsäuren liefern. Betrachten Sie also das gesamte Produkt und nicht nur das Vorhandensein von E-Nummern.
Liste der E-Nummern: bekannte Beispiele
Eine vollständige Liste der E-Nummern ist lang. Im Folgenden findest du einige bekannte Beispiele, die häufig auf Etiketten stehen.
- E100 Curcumin, gelber Farbstoff aus Kurkuma
- E120 Karmin, roter Farbstoff aus Cochenille
- E160a Carotine, Farbstoffe, die unter anderem in Karotten vorkommen
- E160b Annatto, natürlicher Farbstoff
- E200 Sorbinsäure, Konservierungsstoff
- E220 bis E228 Sulfite, Konservierungsstoffe
- E270 Milchsäure, Säureregulator
- E300 Ascorbinsäure, Vitamin C und Antioxidans
- E322 Lecithin, Emulgator
- E330 Zitronensäure, Säureregulator
- E407 Carrageen, Verdickungsmittel
- E415 Xanthan, Verdickungsmittel
- E621 Mononatriumglutamat, Geschmacksverstärker
- E951 Aspartam, Süßungsmittel
- E960 Steviolglycoside, Süßungsmittel aus Stevia
- E965 Maltit, Süßungsmittel
Diese Liste der E-Nummern zeigt anschaulich, wie breit die Kategorie gefasst ist. Manche Stoffe klingen chemisch, kommen aber auch natürlich vor. Andere werden synthetisch hergestellt, doch das bedeutet nicht automatisch, dass sie unsicher sind.
Sind E-Nummern schlecht für dich?
Für die meisten Menschen sind zugelassene E-Nummern bei Verwendung innerhalb der erlaubten Mengen sicher. Bevor ein Zusatzstoff verwendet werden darf, werden umfangreiche Untersuchungen zur Sicherheit, zur Exposition und zu den Höchstmengen in Lebensmitteln durchgeführt.
Ein wichtiger Begriff ist hierbei die ADI: Acceptable Daily Intake, also die akzeptable tägliche Aufnahmemenge. Dabei handelt es sich um eine Schätzung der Menge, die jemand lebenslang täglich aufnehmen kann, ohne dass dies voraussichtlich ein Gesundheitsrisiko darstellt. Bei der Festlegung der ADI werden großzügige Sicherheitsmargen berücksichtigt.
Die Menge, die Produkten zugesetzt werden darf, ist gesetzlich geregelt. Dabei wird berücksichtigt, wie viel Menschen durchschnittlich von bestimmten Produkten essen und trinken. Ziel ist es, die Gesamtaufnahme unter sicheren Grenzwerten zu halten.
Sicher bedeutet jedoch nicht immer ideal. Eine Ernährung mit vielen hochverarbeiteten Produkten kann aufgrund der Gesamtzusammensetzung weniger günstig sein, zum Beispiel wegen eines geringeren Ballaststoffgehalts und einer höheren Aufnahme von Zucker, Salz oder Kalorien. Das liegt nicht allein an den E-Nummern, sondern an der gesamten Ernährung.
Gefährlichste E-Nummern: Woher kommt diese Angst?
Der Suchbegriff „gefährlichste E-Nummern“ ist beliebt, aber oft irreführend. Online-Listen führen manchmal Dutzende E-Nummern ohne Kontext oder Angaben zur Dosierung auf. Dadurch entsteht der Eindruck, jede E-Nummer sei riskant, was jedoch nicht stimmt.
Es gibt jedoch Situationen, in denen bestimmte E-Nummern besondere Aufmerksamkeit erfordern:
- Menschen mit PKU (Phenylketonurie) müssen Aspartam meiden.
- Menschen mit einer Sulfitunverträglichkeit können auf Sulfite reagieren.
- Manche Menschen reagieren empfindlich auf Polyole wie Maltit.
- Bestimmte Farbstoffe können bei manchen Kindern die Aktivität oder Aufmerksamkeit beeinflussen
- Menschen mit bestimmten Allergien sollten Etiketten sorgfältig prüfen
Es geht also meist nicht darum, dass es für alle gefährlich ist, sondern darum, dass es für bestimmte Gruppen ungeeignet ist oder nur in den empfohlenen Mengen sinnvoll verzehrt werden sollte.
Aspartam und PKU
Aspartam, E951, ist ein Süßungsmittel, das die Aminosäure Phenylalanin enthält. Für die Allgemeinbevölkerung gilt Aspartam innerhalb der festgelegten ADI als sicher. Für Menschen mit Phenylketonurie (PKU) ist das anders. Bei PKU kann Phenylalanin aufgrund einer erblichen Stoffwechselstörung nicht auf die übliche Weise verarbeitet werden.
Deshalb müssen Produkte mit Aspartam den vorgeschriebenen Hinweis tragen, dass sie eine Phenylalaninquelle enthalten. Für Menschen mit PKU ist dies eine wichtige Information, um eine sichere Wahl zu treffen.
Sulfite und Überempfindlichkeit
Sulfite, E220 bis E228, werden als Konservierungsmittel verwendet. Man findet sie beispielsweise in manchen Trockenfrüchten, Wein, Kartoffelprodukten und Schalen- und Krustentieren.
Die meisten Menschen vertragen Sulfite gut. Eine bestimmte Gruppe, darunter manche Menschen mit empfindlichen Atemwegen, kann darauf reagieren. Reaktionen können sich auf die Atmung, die Haut oder die Verdauung auswirken. Bei einer bekannten Überempfindlichkeit ist es daher besonders wichtig, die Etiketten zu lesen.
Polyole wie Maltit
Maltit, E965, ist ein Süßungsmittel aus der Gruppe der Polyole. Polyole werden häufig in zuckerfreien Produkten wie Kaugummi, Riegeln oder Süßigkeiten verwendet.
Mit Polyolen kann ein Produkt weniger Zucker enthalten, doch in hohen Mengen können sie die Darmfunktion beeinflussen. Deshalb ist auf vielen Produkten mit Polyolen der gesetzlich vorgeschriebene Hinweis zu finden, dass ein übermäßiger Verzehr abführend wirken kann.
E-Nummern in Kaffee, Tee und Nahrungsergänzungsmitteln
Auch in Kaffeeprodukten, Kaffeeweißern, Riegeln, Kapseln und Pulvern können E-Nummern vorkommen. Dazu gehören Emulgatoren, Trennmittel, Farbstoffe, Süßungsmittel oder Aromastoffe.
Das ist nicht automatisch ein Problem. Entscheidend sind vor allem die Funktion, die Menge und die Zusammensetzung des Produkts. Bei Nahrungsergänzungsmitteln empfiehlt es sich, auf Folgendes zu achten:
- Die aktiven Bestandteile
- Die Dosierung
- Die verwendeten Hilfsstoffe
- Eventuelle Süßungsmittel
- Enthaltene Allergene
- Die Gebrauchsanweisung auf dem Etikett
Ein Produkt mit einer kurzen Zutatenliste ist nicht immer besser, aber Transparenz ist wichtig. Je verständlicher das Etikett, desto leichter fällt eine bewusste Entscheidung.
Sollte man E-Nummern vermeiden?
Für die meisten Menschen ist es nicht nötig, alle E-Nummern zu vermeiden. Tatsächlich ist das fast unmöglich, da einige Stoffe mit E-Nummern auch natürlicherweise vorkommen oder für die Stabilität von Grundprodukten unverzichtbar sind.
Ein ausgewogener Ansatz ist:
- Essen Sie vor allem abwechslungsreich
- Greifen Sie häufiger zu unverarbeiteten oder minimal verarbeiteten Lebensmitteln
- Lesen Sie die Etiketten, wenn Sie bestimmte Unverträglichkeiten kennen
- Achten Sie auf ein ausgewogenes Verhältnis von Zucker, Salz, Ballaststoffen und Eiweiß
- Meiden Sie nicht blind alles mit einer E-Nummer
- Seien Sie bei PKU oder einer nachgewiesenen Überempfindlichkeit besonders aufmerksam
Bei einer gesunden Ernährung geht es nicht darum, Angst vor Kennzeichnungen zu haben, sondern um die Qualität der gesamten Ernährung.
Fazit
E-Nummern sind zugelassene Zusatzstoffe, die in Lebensmitteln zur Verbesserung der Haltbarkeit, des Geschmacks, der Farbe, der Struktur und der Sicherheit eingesetzt werden. Sie können synthetisch hergestellt sein, aber auch natürlich vorkommen. Eine E-Nummer bestätigt, dass eine Substanz von europäischen Behörden geprüft und für die Verwendung in Lebensmitteln als sicher eingestuft wurde.
Die Diskussion über die gefährlichsten E-Nummern erfordert eine differenzierte Betrachtung. Für die Mehrheit der Menschen sind diese Stoffe innerhalb der gesetzlichen Vorgaben sicher. Für bestimmte Gruppen gibt es jedoch Ausnahmen, etwa bei Aspartam, Sulfiten oder Polyolen.
Achten Sie daher nicht nur darauf, ob E-Nummern enthalten sind, sondern berücksichtigen Sie das gesamte Produktprofil und Ihre persönlichen Bedürfnisse. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit vielen vollwertigen Lebensmitteln bleibt die wichtigste Grundlage.
FAQ
Was sind E-Nummern?
E-Nummern sind Zusatzstoffe, die für den Einsatz in Lebensmitteln zugelassen sind und dort technologische Funktionen erfüllen, etwa die Haltbarkeit, Farbe, den Geschmack oder die Stabilität zu beeinflussen.
Sind E-Nummern unsicher?
Für die meisten Menschen gelten zugelassene E-Nummern innerhalb der festgelegten Aufnahmemengen als sicher. Bestimmte Gruppen, etwa Menschen mit PKU oder bestimmten Überempfindlichkeiten, sollten jedoch besonders aufmerksam sein.
Wo finde ich eine Liste der E-Nummern?
E-Nummern werden in Kategorien wie Farbstoffe, Konservierungsmittel und Süßungsmittel unterteilt. Auf der Zutatenliste eines Produkts ist entweder der Name des Stoffes oder die entsprechende E-Nummer angegeben.
Welche E-Nummern werden am häufigsten diskutiert?
Obwohl der Begriff gefährlich oft zu Unrecht verwendet wird, gibt es Stoffe, die bei bestimmten Personengruppen besondere Aufmerksamkeit erfordern, wie Aspartam (bei PKU), Sulfite (bei Überempfindlichkeit) und Polyole (aufgrund ihrer abführenden Wirkung bei hoher Aufnahme).
Quellenverzeichnis
- Sicherheitsfaktoren und Festlegung akzeptabler täglicher Aufnahmemengen
- Fortschritte bei der Sicherheitsbewertung von Lebensmittelzusatzstoffen
- Ernährungsbedingte Expositionen bei der Sicherheitsbewertung von sieben Emulgatoren, die in Europa häufig Lebensmitteln zugesetzt werden
- Unbeabsichtigte Aufnahme von Aspartam bei Phenylketonurie
- Unerwünschte Reaktionen auf Sulfitzusatzstoffe
- Risikobewertung von Lebensmittelzusatzstoffen einschließlich der ernährungsbedingten Exposition
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken. Ernährungsempfehlungen und Informationen zu Zusatzstoffen sind kein Ersatz für medizinischen Rat. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden oder im Zweifelsfall immer an eine qualifizierte Fachkraft oder einen Arzt.